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Kommentare zur deutschen Übersetzung der WCAG 2.0, Teil 2

From: Maria Schiewe <maria.schiewe@papenmeier.de>
Date: Thu, 27 Aug 2009 20:30:25 +0200
Message-ID: <4A96D0C1.3070805@papenmeier.de>
To: public-auth-trans-de@w3.org
Liebe Übersetzer,

hier folgt der nächste Teil meiner Anmerkungen, die sich auf die Einleitung beziehen.

Der Punkt A4.6 der letzten E-Mail ist natürlich falsch. Das kommt davon, wenn man den Satz vor lauter Buchstaben nicht mehr sieht. (Ich bitte darum, alle „falschen Korrekturen“, die noch folgen könnten, gnädig zu überlesen.)


== Einleitung ==

E1.1 „Die Richtlinien […] definieren“ – Definieren ist eine direkte, technische Übersetzung. Ich halte es für natürlicher zu schreiben, dass die Richtlinien etwas beschreiben oder bestimmen.

E1.2 „Barrierefreiheit beinhaltet ein weites Feld an Behinderungen“ ­– Barrierefreiheit beinhaltet keine Behinderung, sie beschäftigt sich mit diesen Behinderungen oder berücksichtigt diese.

E1.3 „so können Sie dennoch nicht die Bedürfnisse von Menschen mit allen Arten, Ausprägungen und Kombinationen von Behinderungen adressieren.“ – Adressieren ist wiederum eine unnötige direkte Übersetzung und „sie“ muss klein geschrieben werden. Außerdem ist die Kombination von „nicht“ und „allen“ in der Reihenfolge komisch. Es hieße, dass es bspw. Menschen mit allen Arten von Behinderungen gibt. Folgende Formulierung empfinde ich als genauer: „so können sie dennoch nicht alle Bedürfnisse von Menschen mit jeglichen Arten, Ausprägungen und Kombinationen von Behinderungen berücksichtigen“.

E1.4 „Menschliche Evaluation“ hat mich ein wenig zum Schmunzeln gebracht. Das Gegenteil zum automatisierten/automatischen Testen ist das manuelle Testen. Eine andere Dimension bekommt die Evaluation, wenn sie mit Experten oder Nutzern durchgeführt wird. Ist mit human evaluation also nun das manuelle Testen durch Entwickler gemeint oder Expertentests oder eine Evaluation mit Nutzern? Dies ist zu klären und der Begriff „menschliche Evaluation“ anschließend zu ersetzen.

E1.5 „Für eine Übersicht darüber […] lesen Sie auch“ – Warum soll ich das „auch“ lesen? Das Wort muss meiner Meinung nach ersatzlos gestrichen werden, da es sich auf keine vorherige Information bezieht.


== WCAG 2.0: Ebenen der Anleitung ==

E2.1 Statt Code würde ich „Quelltexten“ verwenden, weil dies eindeutiger ist. (Dies gilt für die Verwendung des Begriffs in der gesamten Übersetzung.)

E2.2 Im Englischen steht zwar ein also, aber das bezieht sich auf keine vorhergehende Information, also muss das „auch“ aus „Lesen Sie dazu auch“ raus.

E2.3 „Die 12 Richtlinien liefern die wesentlichen Ziele“ – Statt liefern würde ich „bestimmen“ verwenden oder auch – hier passt das Wort – „definieren“.

E2.4 Statt die „WCAG 2.0 zu benutzen“ würde ich „anzuwenden“ schreiben. Richtlinien werden meines Wissens nach nicht benutzt, sondern angewendet oder befolgt.

E2.5 „jene, die ausreichend sind um die Erfolgskriterien zu erfüllen und jene, die empfohlen sind“ – Hier würde ich vor dem „um“ ein Komma spendieren, um den Text lesbarer zu machen.

E2.6 Einschübe sollten so verständlich wie möglich gehalten werden und Zusammenhängendes nicht auseinander reißen. Ich schlage daher vor: „Die empfohlenen Techniken gehen über das hinaus, was von den einzelnen Erfolgskriterien verlangt wird, und ermöglichen es den Autoren, die Richtlinien besser anzugehen.“ An der Stelle frage ich mich noch, was unter „Richtlinien besser angehen“ gemeint ist. Das englische better address ist da ebenfalls schwammig. Sprechen wir hier darüber, die Richtlinien einfacher zu erfüllen?

E2.7 Ich schlage als stilistische Korrektur vor, die den Text lesbarer macht: „All diese Ebenen der Anleitung (Prinzipien, Richtlinien, Erfolgskriterien sowie ausreichende und empfohlene Techniken) wirken zusammen, um Hilfestellung bei der Gestaltung von barrierefreieren Webinhalten zu leisten.“ Also kein doppeltes „und“ verwenden und nicht die Gestaltung sondern die Webinhalte barrierefreier machen.

E2.8 „Beachten Sie, dass sogar Inhalte mit der höchsten Konformitätsstufe (AAA) nicht für Menschen mit allen Arten, Ausprägungen oder Kombinationen von Behinderungen barrierefrei sind.“ Siehe dazu 1.3, dementsprechend „nicht für alle Menschen mit jeglichen …“.

E2.9 „Dies gilt insbesondere in den kognitiven, Sprach- und Lernbereichen.“ Warum wird hier der Begriff „Bereich“ verwendet? Sprachbereiche dürfte ein eigenständiger Fachbegriff sein, der etwas anderes meint. Viel einfacher ist doch: „Dies gilt insbesondere für kognitive, Sprach- und Lernbehinderungen.“ Oder wenn es unbedingt Bereich bleiben muss: „Dies gilt insbesondere in den Bereichen Kognition, Sprache und Lernen.“


== WCAG 2.0: Unterstützende Dokumente ==

E3.1 Die ersten drei Links führen ins Leere.


== Wichtige Begriffe in den WCAG 2.0 ==

E4.1 „Er beinhaltet außerdem zunehmend dynamische Webseiten, die im Web erscheinen […]“ ­– Ist der Einschub notwendig? (Außer dass damit die Übersetzung eng am englischen Original ist?) „Erscheinen“ klingt außerdem nach einem spontanen Auftauchen. Dann doch lieber „die im Web publiziert werden“.

E4.2 „komplette virtuelle, interaktive Communities“ – Wird der Begriff Community nicht übersetzt?

E4.3 „die man an einem einzelnen URI findet“ – Ich denke kaum, dass diese Formulierung zum Verständnis des Begriffs Webseite beiträgt. Das Wort hinter der Abkürzung URI ist nicht einmal über das abbr-Attribut hinterlegt. Dann bleibt noch die Frage, ob man etwas an einem Bezeichner findet. Schwierig. Ich habe dafür keine Lösung, aber ich bin beim Lesen dort stark gestolpert.


Mit besten Grüßen
Maria Schiewe

-- 
Dipl.-Inf. (FH) Maria Schiewe
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Received on Thursday, 27 August 2009 18:30:29 UTC

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